Ein Markenzeichen des Turnsports

04. Dezember 2013 | Günzburg

Mit Hermann Bamberger feiert heute ein Trainer seinen 80. Geburtstag, der die Entwicklung des Turnens im Landkreis geprägt hat.

von Wilfried Läbe, erschienen in der Günzburger Zeitung

Foto: Bernhard Weizenegger

Wer ihn im Training und bei Wettkämpfen mit den Turnmädels seiner Talentschmiede des TV Günzburg in den vergangenen Wochen gesehen hat, der Übungsleiter ließen das Gefühl, einen Pensionär zu treffen, nicht aufkommen. Man muss tiefer schürfen, will man zum 80. Geburtstag von ihm, der immer und überall als „Bambus“ ein Markenzeichen des Turnsports ist, und den seine Schützlinge liebevoll „Chef“ nennen, an das Geheimnis herangehen, das hinter seiner Leistungsfähigkeit auch in diesem Alter steckt. Eine Leistungsfähigkeit, die ihm über die Mauern seiner Heimatstadt Günzburg, über die Grenzen Bayerns eine fast unglaublich perfekt konservierte Popularität einbrachte.

Turnbegeisterung von Kindesbeinen an

Und alles, was Bestand hat, braucht solide Wurzeln. Die sind bei Hermann Bamberger schnell entdeckt, weil er – angeregt von seinem aus dem Zweiten Weltkrieg nicht zurückgekehrten turnbegeisterten Vater Josef – von Kindesbeinen an die Freude und Begeisterung für das Turnen tief in sich aufgenommen hat. Schon als Fünfjähriger zählte er ab 1938 zu den Eifrigsten in den Turnstunden des Günzburger Turnvaters Ludwig Keis. Sportlich geprägt haben ihn dann aber die Begegnungen mit seinem Vormund, dem legendären Vorsitzenden des Turnvereins beziehungsweise ab 1941 bis 1944 des VfL Günzburg Karl Danner. Er stand auch als Fußballer seinen Mann, zählte in der Leichtathletik zu den Besten. Doch sein ganzes Herz gehörte immer dem Turnsport, blieb auch nach der Neugründung des TV Günzburg 1988 das Herz seiner Seele.

Der „Bambus“ hat in seiner langen, erfolgreichen Trainerlaufbahn viele Talente kommen und gehen gesehen, hat ihnen Kraft, Kondition, Anmut, Grazie, mutige Sprünge, eine perfekte Körperbeherrschung und hie und da auch Artistik nahezu in Vollendung beigebracht. Dazu brauchte er kein Lehrbuch, weil er als aktiver Turner selbst gute Lehrmeister hatte. Er sagte, was und wie es gemacht wird und mit einer spontanen Begeisterung befolgten es seine Schützlinge.

Olympia-Vierte und deutsche Meisterin betreut

Ob die Olympiavierte von London 2012 Janine Berger, ob in den Siebziger- und Achtzigerjahren die dreimalige deutsche Titelträgerin im Mehrkampf Christine Bauer oder die Günzburger Mitglieder des deutschen C-Kaders Elisabeth Zinner, Iris Stelzle, Britta Schauß, Sonja Gansel, ob die regionalen und bayerischen Spitzenturnerinnen Sybille Hänsel, Diana Werth, Andrea Gollmitzer, Margit Laurien oder aktuell die kleinen Turnfeen aus Hermann Bambergers TVG-Talentschmiede Judith Kübler, Lia Frasch, Maria Zanker, Antonia Kirschke, Meheret Riederle, Elisa Gräßler, Lea Lutzenberger: alle schauten und schauen zu ihrem „Chef“ auf. Alle bemühten und bemühen sich, mit der Schwungkraft einer urwüchsigen Begeisterung auf seine Ideen einzugehen. Sie alle überschreiten dabei ohne Zaudern und Murren im harten und zeitaufwendigen Training die unbestimmbare Grenze zwischen sportlichem Handwerk und Kunst. Und das, ohne dass sie etwas anderes empfinden, als nur eine unbändige Freude. Hermann Bamberger hatte schon immer die ungewöhnliche Begabung, sich auf der Tastatur des sensiblen Turnsports niemals zu vergreifen. Seine wohl bedeutendsten Fähigkeiten aber sind bis heute die, die Entwicklung eines Talents erahnen und bestimmen zu können. Und so wurde er schon in jungen Jahren zu dem, was er bis heute geblieben ist: einer, der auch den Beifall des großen deutschen Turnvaters Friedrich Ludwig Jahn erhalten würde, so wie er das heute zum seinem 80. von seinen langjährigen aktiven Wegbegleitern und den Turnerinnen erfahren wird. Wenn es ihn nicht gäbe, hätten ihn jedenfalls Günzburg und der schwäbische Sport erfinden müssen.